- Student:in
- Michel Tuttas
- Studio
- Prof. Nathalie Bredella
- Jahr
- 2025
- Kategorie
- Geschichte und Theorie
- Studium
- —
Projektbeschreibung
Ausgangspunkt des Projekts ist das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992 und die mediale Konstruktion seiner Wahrnehmung. Bereits im Vorfeld wurden rassistische Zuschreibungen, Vorurteile und Gewaltaufrufe medial reproduziert und dadurch zu einem gesellschaftlich wirksamen Deutungsrahmen verdichtet. Im Anschluss an die Ereignisse setzte sich eine Darstellung fort, in der Verantwortlichkeiten verschoben, Täter*innen entpolitisiert und Betroffene zunehmend zum Gegenstand einer Täter-Opfer-Umkehr gemacht wurden. Sprache und mediale Bilder fungierten dabei nicht nur als Mittel der Berichterstattung, sondern als aktive Instrumente der gesellschaftlichen Raumproduktion.
Von besonderer Bedeutung ist dabei das Verhältnis von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Was innerhalb eines Diskurses wiederholt und verstärkt wird, kann den Charakter des Selbstverständlichen annehmen; Gegenpositionen werden dagegen an den Rand gedrängt oder verlieren ihre Wahrnehmbarkeit. Die Installation macht diese Asymmetrie als Erfahrung nachvollziehbar und hinterfragt damit die scheinbare Neutralität öffentlicher Räume und medialer Öffentlichkeiten.
Das Projekt versteht Raum nicht ausschließlich als physische Dimension, sondern als gesellschaftlich produziertes Gefüge, das ebenso durch Sprache, mediale Bilder, Zuschreibungen und Machtverhältnisse entsteht. Die mediale Echokammer wird dabei als eine Form immaterieller Raumproduktion verstanden: unsichtbar und allgegenwärtig, zugleich aber in der Lage, Wahrnehmung zu lenken, Bedeutungen festzuschreiben, Zugehörigkeiten zu definieren und Grenzen zwischen einem „Innen“ und „Außen“ zu erzeugen.